Kategorie-Archiv: Bericht

Einbildung und Leugnung: Schweizer Ergebnisse des European Social Survey 2016 zu Klimawandel

Die Bevölkerung Europas, einschliesslich der Schweiz, wurde zum Thema Klima und Energie befragt. Die Ergebnisse sind aus psychologischer Sicht interessant und legen offen, wie sehr die Kommunikation zum Thema Klimawandel bisher gescheitert ist. Die Schweizerinnen und Schweizer leugnen den Klimawandel, sorgen sich aber deswegen, fühlen sich verantwortlich und glauben, persönlich korrekt zu handeln. Dass ihr Handeln nutzbringend ist, glauben sie sehr viel weniger. Die interessantesten Resultate sind graphisch dargestellt.

34 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer geben an, bei einer grösseren Gerätebeschaffung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eines der energiesparendsten Produkte zu kaufen. Nur drei Prozent schätzt aber die Wirkung ihres Handelns zur Reduktion von Klimawandel als sehr hoch ein. Fast alle Antwortenden fühlen sich persönlich verantwortlich, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Sie bilden sich eine vorteilhafte Wirkung ihres Handelns ein, wenn auch nur halbherzig — im Vergleich zur Einschätzung ihres eigenen Verhaltens. An eine Bereitschaft anderer, etwas gegen den Klimawandel zu tun, glauben sie sehr viel weniger, als sie eigenes positives Handeln behaupten.

Die eigene und die Klimamoral anderer ist nicht dieselbe. Antworten auf ausgewählte Fragen zu Energie und Klimawandel des ESS 2016, Schweiz. Diagramm.
Fig. 1 | Die Fragen lauteten: «Wenn Sie ein grosses elektrisches Haushaltsgerät kaufen müssten, wie wahrscheinlich ist es dann, dass Sie eines der energieeffizientesten Modelle wählen würden?» (grün); «Wie sehr fühlen Sie sich persönlich verantwortlich, einen Beitrag zu leisten, damit der Klimawandel reduziert wird?» (blau, Französisch: «A quel point estimez-vous qu’il est de votre devoir personnel d’essayer de lutter contre le changement climatique?»); «Wie wahrscheinlich ist es Ihrer Meinung nach, dass Einschränkungen bei Ihrem eigenen Energieverbrauch helfen könnten, den Klimawandel zu reduzieren?» (rot); «Wie wahrscheinlich ist es Ihrer Meinung nach, dass eine grosse Anzahl an Menschen ihren Energieverbrauch tatsächlich einschränken im Versuch, den Klimawandel zu reduzieren?» (gelb). | ESS 2016.

Es wird eine erhebliche Wirkung des eigenen Verhaltens bei Energieanwendungen vermutet. Objektiv ist diese Wirkung praktisch null, aber nur wenige sehen dies so.

Die Einschätzung des eigenen Energiesparverhaltens wurde durch eine weitere Frage ermittelt und die positive Selbsteinschätzung bestätigt.

Viel Wunschdenken beim eigenen Energiesparverhalten | ESS 2016, Schweiz. Balkendiagramm.
Fig. 2 | 75 Prozent der antwortenden Schweizerinnen und Schweizer sind der Meinung, dass sie sich oft (33%), sehr oft (29%) oder immer (13%) energiesparend verhalten. | ESS 2016.

Angesichts des privaten Schweizer Fahrzeugparks, immer mehr Flügen und unverändert hohem Konsum ist diese Selbsteinschätzung auffällig. Vielleicht handelt es sich trotz Anonymität eher um Selbstdarstellung, wahrscheinlich um Selbsttäuschung.

Verhielten sich die Antwortenden tatsächlich so, könnten wir auf einen Fortschritt beim Klimaschutz durch Konsum- und Verzichtsappelle sowie altruistischen, freiwilligen Klimaschutz hoffen. Selbstwahrnehmung oder Selbstdarstellung entsprechen jedoch nicht der Realität.

Existenz von Klimawandel
Antworten bezüglich Existenz von Klimawandel. Antworten auf ausgewählte Fragen zu Energie und Klimawandel des ESS 2016, Schweiz. Diagramm.
Fig. 3 | Nur 3,7 Prozent der Antwortenden sind der Meinung, es finde wahrscheinlich oder eindeutig kein Klimawandel statt. Zusammen mit denjenigen, die sich nicht sicher sind (das Klima verändert sich wahrscheinlich), sind es über 35 Prozent. Die Frage lautete: «Sie haben vielleicht von der Auffassung gehört, dass sich das Klima auf der Erde verändert, weil die Temperaturen über die letzten 100 Jahre gestiegen sind. Was ist Ihre persönliche Meinung dazu? Denken Sie, dass sich das globale Klima gegenwärtig verändert?» Möglicherweise wurde das Resultat beeinflusst, weil die Frage die richtige Antwort suggerierte. Das Wort Auffassung deutet zwar eine Unsicherheit an, die Erklärung «weil die Temperaturen über die letzten 100 Jahre gestiegen sind» nimmt hingegen die Existenz eines Klimawandels vorweg. Ganz anders ist das Resultat, wenn nach der menschlichen Ursache des Klimawandels gefragt wird (Fig. 4, nächstes Bild) | ESS 2016.
Ursache des Klimawandels
Wichtiges Wissen zum Klimawandel ist nicht angekommen oder wird verdrängt. Fast die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer glaubt, der Klimawandel sei gleichermassen natürlich bedingt wie menschgemacht. Antworten auf ausgewählte Fragen zu Energie und Klimawandel des ESS 2016, Schweiz. Diagramm.
Fig. 4 | Die Schweizerinnen und Schweizer wissen ungenügend über Klimawandel bescheid. Die Frage lautete: «Denken Sie, dass der Klimawandel durch natürliche Prozesse, durch menschliches Handeln oder durch beides verursacht wird?» Nur gerade 4 Prozent geben an, der Klimawandel sei ganz durch menschliches Handeln verursacht. Weitere 40 Prozent geben an, der Klimawandel sei vor allem durch menschliches Handeln verursacht. 49 Prozent glauben, er sei zu etwa gleichen Teilen durch natürliche Prozesse und menschliches Handeln verursacht. | ESS 2016.

Die gute Nachricht ist: Nur wenige geben an, der Klimawandel sei vor allem (4%) oder vollständig (1%) durch natürliche Prozesse verursacht. Diese Prozentzahlen sind jedoch mit Zurückhaltung zu geniessen, denn trotz suggestiver Fragestellung glauben 1,3 Prozent gar nicht, dass es einen Klimawandel gibt und weitere 2,4 Prozent meinen, das Klima ändere sich wahrscheinlich nicht. (Letztere beiden Prozentzahlen gehen aus einer anderen Frage hervor, Fig. 3, oben).

Die schlechte Nachricht ist: Fast die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer meint, der Klimawandel sei etwa gleichermassen durch natürliche Prozesse und menschliches Handeln verursacht. Wichtiges Wissen zum Klimawandel ist nicht angekommen oder wird verdrängt.

Die Mehrheit liegt falsch, ist klar anderer Meinung als die Wissenschaft. Nur gerade vier Prozent geben die bestmögliche zur Auswahl stehende Antwort, nämlich, dass der Klimawandel nur durch menschliches Handeln verursacht ist.

Ist Klimawandel gut oder schlecht?
Die Schweizerinnen und Schweizer sind nur moderat der Auffassung, der Klimawandel werde sich weltweit negativ auswirken. Antworten auf Frage D25 zu Energie und Klimawandel des ESS 2016, Schweiz. Diagramm.
Fig. 5 | «Wie gut oder schlecht wird sich der Klimawandel Ihrer Meinung nach auf die Menschen weltweit auswirken? Bitte wählen Sie eine Zahl zwischen 0 und 10, wobei 0 äusserst schlecht bedeutet und 10 äusserst gut.» 27 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer vermuten, dass sich der Klimawandel weltweit nicht negativ oder sogar positiv auswirken wird. Die 1,5 Prozent, die sich nicht festlegen wollten, sind in dieser Prozentangabe eingeschlossen und in diesem Fall auch in der Grundgesamtheit. 10 Prozent schätzen künftigen Klimawandel als weltweit „äusserst schlecht“ ein. | ESS 2016 (Schweiz)

Gut ein viertel der Befragten erwartet eine weltweit positive Wirkung des Klimawandels. Es lässt sich dabei dieselbe Psychologie vermuten, wie bei der Frage nach der menschlichen Ursache des Klimawandels — ein erstaunliches Ergebnis.

Es gibt einen sichtbaren Bias hin zur mittleren Antwort (5) von elf zur Auswahl stehenden Antworten. Interessant wären Antworten auf die Frage gewesen, wie die Bevölkerung die Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz einschätzt.

Sorgen
Klimawandel höher bewertet als andere Sorgen. Antworten auf ausgewählte Fragen zu Energie und Klimawandel des ESS 2016, Schweiz. Diagramm.
Fig. 6 | 31 Prozent sind über Klimawandel äusserst oder sehr besorgt. Weitere 47 Prozent sind wegen Klimawandel «eher besorgt». Die Abhängigkeit vom Ausland wegen fossilen Energieträgern bietet auch etwas Grund zur Sorge. Dass die Energie für viele zu teuer werden könnte macht weniger Sorgen, befürchtete Stromausfälle noch weniger. 84 Prozent geben sich darüber nicht sehr oder gar nicht besorgt. Die Fragen lauteten: «Wie besorgt sind Sie über den Klimawandel? Wie besorgt sind Sie, dass die Schweiz zu abhängig von Energie-Importen aus dem Ausland sein könnte? Wie besorgt sind Sie, dass die Energie in der Schweiz für viele zu teuer sein könnte? Wie besorgt sind Sie, dass es in der Schweiz zu Stromausfällen kommen könnte?» | ESS 2016 (Schweiz).

Klimawandel steht bei den Sorgen um Klima oder Energie zuoberst, gefolgt von Auslandabhängigkeit, gefolgt von hohen Preisen. Vergleichsweise wenig Sorge bereiten «Stromausfälle».

Gewünschte Energieträger zur Stromversorgung
Sauberer ist beliebter als Strom aus Fossilen oder Atom. Antworten auf ausgewählte Fragen zu Energie und Klimawandel des ESS 2016, Schweiz. Diagramm.
Fig. 7 | Die saubere Stromproduktion ist beliebt, aber Strom aus Erdgas ist es auch, wobei Strom aus Biomasse willkommener ist als Strom aus Erdgas. Nur 9 Prozent wollen gemäss der Umfrage eine grosse oder sehr grosse Menge Strom «aus Kernkraft» produziert haben. Die allgemeine Frage lautete: Wie viel von dem Strom, der in der Schweiz verbraucht wird, sollte aus jeder dieser Energiequellen erzeugt werden? Danach wurde die Frage für jeden der Energieträger zur Stromproduktion einzeln gestellt. | ESS 2016 (Schweiz).

Praktisch unumstritten sind Strom aus Sonnenenergie und Wasserkraft. 80 Prozent wollen eine mittelgrosse bis sehr grosse Menge Strom aus Biomasse, noch mehr aus Wind (87 Prozent). Interessant wäre angesichts dieser hohen Anteile zu erfahren, wie sich die Schweizer Bevölkerung zu Stromimporten und ‑exporten stellt. Es wurde nicht gefragt, wo der Strom produziert werden soll. 57 Prozent wollen eine mittelgrosse bis sehr grosse Menge Strom aus Erdgas, was sich nicht mit der Sorge um Klimawandel deckt (Fig. 6) — ausser die Befragten verstehen das Klimaproblem nicht.

Nur eine Minderheit (23 Prozent) will mittel bis sehr viel ihres Strom in Atomkraftwerken produziert sehen. Etwa zur Zeit der Umfrage hat die Bevölkerung jedoch den Ausstieg aus der Atomenergie an der Urne kritisch beurteilt. Die Interpretation dieser Umfrageresultate ist schwierig, sogar was die Gegnerschaft bestimmter Formen der Stromproduktion betrifft. Nur gerade 2 Prozent geben an, gar keine Stromproduktion aus Windkraft zu wollen, aber über 40 Prozent gar keine aus Atomkraftwerken. Einfacher interpretierbar wären wahrscheinlich Antworten auf Fragen gewesen, welche Energieträger vermehrt oder weniger für die Stromproduktion eingesetzt werden sollen, als es heute der Fall ist.

Akzeptanz politischer Aktion
Diagramm Akzeptanz politischer Massnahmen zum Schutz des Klimas: Subventionen, Verbote, Abgaben. ESS 2016, Schweiz.
Fig. 8 | Die Bereitschaft für politische Massnahmen ist gross. 83 Prozent sind eher oder sehr für Subventionen. Ebenfalls eine sehr deutliche Mehrheit von 68 Prozent gibt an, ein Verbot von Geräten mit schlechter Effizienz zu unterstützen (eher oder sehr). Beinahe die Hälfte (48%) unterstützt auch eine Erhöhung der Abgaben auf fossile Energieträger. Wird die Hälfte derjenigen, die sich weder dafür noch dagegen aussprechen, den Befürwortern zugerechnet, würden gemäss Umfrage 58% eine (unspezifische) Erhöhung von CO2-Abgaben befürworten. 2,4 Prozent der Befragten wollten sich bezüglich der Abgaben nicht festlegen, sowohl bei der Massnahme Subventionen als auch Verbot waren dies 1,3 Prozent. Im gezeigten Diagramm sind diejenigen, die sich nicht festlegen wollten („weiss nicht“), in der Gesamtheit eingeschlossen. Die Fragen lauteten: «Wie sehr sind Sie dafür oder dagegen, dass in der Schweiz die folgenden Massnahmen zur Reduktion des Klimawandels ergriffen werden? Verwendung von öffentlichen Geldern zur Förderung von erneuerbaren Energiequellen wie Wind- oder Sonnenenergie; Ein gesetzliches Verbot für den Verkauf von Haushaltsgeräten mit der schlechtesten Energieeffizienz; Erhöhung der Abgaben auf fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle.» Daten: ESS 2016 (Schweiz).

Die Schweizerinnen und Schweizer unterstützen politische Ansätze. Subventionen aus «öffentlichen Geldern» liegen bezüglich Beliebtheit vorn. Auch Verbote sind mehrheitsfähig, jedenfalls was neue «Haushaltsgeräte mit der schlechtesten Energieeffizienz» betrifft. (Die Befragten geben ohnehin an, praktisch keine solchen Geräte zu kaufen; vgl. Fig. 1.) Sogar die angeblich politisch unbeliebten Abgaben auf fossilen Energieträgern sind eher akzeptiert als nicht. Unglücklicherweise wurde in Deutsch nach «Brennstoffen» gefragt, wodurch unklar ist, welcher Anteil der Befragten darunter auch Treibstoffe verstand. (In Französisch war nach Steuern auf «énergies fossiles» gefragt worden.)

Akzeptanz von Klimaagbaben nicht auf verlorenem Posten. ESS 2016, Schweiz. Diagramm.
Fig. 9 | Etwa die Hälfte der Befragten befürworten eine Erhöhung von Abgaben auf fossile Energieträger | ESS 2016 (Schweiz).

Die mehrheitliche Rückverteilung des CO2-Abgabenaufkommens an Bevölkerung und Unternehmen ist in der Schweiz Tatsache aber kaum wahrnehmbar. Im europaweit standardisierten Social Survey wurde diese Rückverteilung naturgemäss nicht erklärt. Dass der Fall für mehr oder höhere CO2-Abgaben in der Schweiz aussichtsreich ist, wenn die Lenkungswirkung erklärt wird, ist bereits aus einer Studie von 2017 bekannt. Würden sowohl Lenkungsfunktion wie Rückverteilung erklärt, könnte eine noch grössere Unterstützung von CO2-Abgaben erwartet werden.

Vertrauen in die Staatengemeinschaft wegen Klimawandel

Der European Social Survey stellte eine Reihe von weiteren Fragen zu Klima und Energie (vgl. Anhang). Nicht alle Resultate sind hier dargestellt und kommentiert. Schliesslich sei noch dargestellt, wie wahrscheinlich die Schweizerinnen und Schweizer eine Reaktion auf Klimawandel durch «genug Staaten» erachten.

Vertrauen in Staaten wegen Klimawandel. Antworten auf ausgewählte Fragen zu Energie und Klimawandel des ESS 2016, Schweiz. Diagramm.
Fig. 10 | Etwa die Hälfte der antwortenden Schweizerinnen und Schweizer vertrauen den Staaten eher (52%) oder eher nicht (48%), dass genügend viele unter ihnen Massnahmen ergreifen, um den Klimawandel «zu reduzieren». Es gibt einen auffälligen Bias hin zur mittleren, unentschlossenen Antwort. | ESS 2016 (Schweiz).

Werden die mittleren Antworten hälftig aufgeteilt, ergibt sich knapp eine mehrheitlich positive Erwartung. Lineare Gewichtung der Aussagen ergibt hingegen ein leichtes Misstrauen. Wird die mittlere Antwort ignoriert, hält es nur eine Minderheit von 45 Prozent für wahrscheinlich, dass genug Staaten mit Massnahmen den Klimawandel «reduzieren» — was auch immer die Befragten unter «reduzieren» verstanden haben mögen. Die Befragung war durchgeführt worden, bevor die US-Regierung den Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen erklärte.

Vertrauen in eine redliche Interpretation der Resultate

Die europaweiten Resultate zu Klimawandel und Energie des European Social Survey 2016 werden am 19. September 2018 in Brüssel vorgestellt. Wie sehr anders als oben dargestellt das offizielle Europa die Resultate interpretieren wird, lässt sich ahnen. Unter anderen wird Leo Barasi präsentieren. Barasi behauptet, die Leugner des Klimawandels seien eine zu ignorierende marginale Minderheit. Wie die politisch Mächtigen und darum Verantwortlichen appelliert er weiterhin an freiwillige persönliche Verhaltensänderungen zur Bewältigung der Klimakrise.


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  • Schuldinduktion, Klimaruhe, Klimaleugnung: Klimasünde Klimapredigt (Link)
  • Preaching, Accusation, Guilt, Denial, Personal Greenwashing, Climate Silence: Learning from Ignaz Semmelweis for Climate Communication (Link)

Referenz

(ESS 2016) European Social Survey 2016. Befragt wurden in der Schweiz in der Zeit zwischen Ende 2016 und anfangs 2017 etwa 1500 Personen. Eine Datei mit Daten für die Schweiz, die diesem Artikel zu Grunde liegen, ist hier abgelegt. Die Fragen zu Klimawandel und Energie sind im Anhang aufgelistet. Schweizer Website des ESS, europäische Website des ESS.

Anhang
Fragen zu Klima und Energie des European Social Survey
  • D1 — Wenn Sie ein grosses elektrisches Haushaltsgerät kaufen müssten, wie wahrscheinlich ist es dann, dass Sie eines der energieeffizientesten Modelle wählen würden? (Fig. 1)
  • D2 — Wie oft verhalten Sie sich im Alltag so, dass Sie Ihren Energieverbrauch reduzieren können? (Fig. 2)
  • D3 — Insgesamt, wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie weniger Energie verbrauchen könnten als heute?

Wie viel von dem Strom, der in der Schweiz verbraucht wird, sollte aus jeder dieser Energiequellen erzeugt werden? (Fig. 7)

  • D4 — Erstens, wie viel von dem Strom, der in der Schweiz verbraucht wird, sollte aus Kohle erzeugt werden? (Fig. 7)
  • D5 — Und wie viel aus Erdgas? (Fig. 7)
  • D6 — Und wie viel aus Wasserkraft aus Flüssen, Stauseeen und Meer? (Fig. 7)
  • D7 — Wie viel von dem Strom, der in der Schweiz verbraucht wird, sollte aus Kernkraft erzeugt werden? (Fig. 7)
  • D8 — Und wie viel aus Sonnenenergie? (Fig. 7)
  • D9 — Und wie viel aus Windkraft? (Fig. 7)
  • D10 — Und wie viel Strom sollte aus Biomasse wie Holz, Pflanzen oder Tiermist gewonnen werden? (Fig. 7)

  • D11 — Wie besorgt sind Sie, dass es in der Schweiz zu Stromausfällen kommen könnte? (Fig.6)
  • D12 — Wie besorgt sind Sie, dass die Energie in der Schweiz für viele zu teuer sein könnte? (Fig. 6)
  • D13 — Wie besorgt sind Sie, dass die Schweiz zu abhängig von Energie-Importen aus dem Ausland sein könnte? (Fig. 6)
  • D14 — Wie besorgt sind Sie, dass die Schweiz zu abhängig von Energie aus fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas oder Kohle sein könnte?

  • D15 — Wie besorgt sind Sie, dass die Energieversorgung unterbrochen werden könnte durch Naturkatastrophen oder extreme Wetterverhältnisse?
  • D16 — … weil zu wenig Strom produziert wird?
  • D17 — … durch technische Störungen?
  • D18 — Und wie besorgt sind Sie, dass die Energieversorgung aufgrund von Terroranschlägen unterbrochen werden könnte?

  • D19 — Sie haben vielleicht von der Auffassung gehört, dass sich das Klima auf der Erde verändert, weil die Temperaturen über die letzten 100 Jahre gestiegen sind. Was ist Ihre persönliche Meinung dazu? Denken Sie, dass sich das globale Klima gegenwärtig verändert? (Fig. 3)
  • (D20 — Wie viel haben Sie vor unserem Gespräch über den Klimawandel nachgedacht?; Gleiche Frage wie D21)
  • D21 — Wie viel haben Sie vor unserem Gespräch über den Klimawandel nachgedacht?
  • D22 — Denken Sie, dass der Klimawandel durch natürliche Prozesse, durch menschliches Handeln oder durch beides verursacht wird? (Fig. 4)
  • D23 — Wie sehr fühlen Sie sich persönlich verantwortlich, einen Beitrag zu leisten, damit der Klimawandel reduziert wird? (Fig. 1)
  • D24 — Wie besorgt sind Sie über den Klimawandel? (Fig. 6)
  • D25 — Wie gut oder schlecht wird sich der Klimawandel Ihrer Meinung nach auf die Menschen weltweit auswirken? (Fig. 5)
  • D26 — Stellen Sie sich jetzt vor, dass eine grosse Anzahl an Menschen ihren Energieverbrauch einschränken würde. Wie wahrscheinlich ist es Ihrer Meinung nach, dass man so den Klimawandel reduzieren könnte?
  • D27 — Wie wahrscheinlich ist es Ihrer Meinung nach, dass eine grosse Anzahl an Menschen ihren Energieverbrauch tatsächlich einschränken im Versuch, den Klimawandel zu reduzieren? (Fig. 1)
  • D28 — Und wie wahrscheinlich ist es Ihrer Meinung nach, dass genug Staaten Massnahmen ergreifen, um den Klimawandel zu reduzieren? (Fig. 10)
  • D29 — Wie wahrscheinlich ist es Ihrer Meinung nach, dass Einschränkungen bei Ihrem eigenen Energieverbrauch helfen könnten, den Klimawandel zu reduzieren? (Fig. 1)

Wie sehr sind Sie dafür oder dagegen, dass in der Schweiz die folgenden Massnahmen zur Reduktion des Klimawandels ergriffen werden? (Fig. 8)

  • D30 — Erhöhung der Abgaben auf fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle. (Fig. 8, Fig. 9)
  • D31 — Verwendung von öffentlichen Geldern zur Förderung von erneuerbaren Energiequellen wie Wind- oder Sonnenenergie. (Fig. 8)
  • D32 — Ein gesetzliches Verbot für den Verkauf von Haushaltsgeräten mit der schlechtesten Energieeffizienz. (Fig. 8)

Gletscherschutzinitiative: Klimaschutz per Hüftschuss?

Die Idee für eine Klimainitiative ist kurz nach Paris aufgetaucht, heute wurde der Plan erstmals an die Öffentlichkeit gebracht. Sie sei «brandgefährlich», heisst es bereits bei Economiesuisse. Die Leute haben für einmal recht, aber anders herum. Brandgefährlich ist die Gletscher-Initiative nicht für die Industrie in der Schweiz, sondern für den Klimaschutz. Gletscherschutzinitiative: Klimaschutz per Hüftschuss? weiterlesen

Retropower.ch ist online

Die Bündner Stimmbürger haben heute in einer zweiten und letzten Abstimmung die Anti-Kohle Initiative mit 81% Ja-Stimmen gutgeheissen. Ein Investitionsverbot in Kohlekraftwerke durch Unternehmen, an denen der Kanton beteiligt ist, wird nun in der Verfassung verankert. Die Entscheidung fiel deutlich aus, obschon Repower als Folge der ersten Abstimmung 2013 bereits versprach, nicht in Kohlekraftwerke zu investieren. Das Energieunternehmen, ist mehrheitlich im Besitz des Kantons. Es wird bis zum Ende dieses Jahres aus dem Projekt in Kalabrien auszusteigen. In Saline Joniche, ganz im Süden der italienichen Halbinsel, projektiert Repowers Tochterfirma SEI S.p.A ein Steinkohlekraftwerk mit 1,3 Gigawatt Produktionskapazität.

Mit dem Ergebnis des Urnengangs sind jedoch die Probleme mit Repower weder in Italien noch in der Schweiz gelöst. Die ehemalige Rätia Energie wendet bei der Projektentwicklung des Kohlekraftwerks in Kalabrien immer wieder zweifelhafte Methoden an. Repower bleibt das Enfant Terrible der Schweizer Energiebranche. Geschäftsleitung und Verwaltungsrat profilieren sich mit ihrer Ablehnung des Zubaus neuer erneuerbarer Energieanlagen. Das ehemalige Musterunternehmen wird in ihrer unzeitgemässen Haltung zuverlässig von der Bündner Regierung unterstützt — obschon sich der Bergkanton damit selbst schadet.

Mit der heutigen Abstimmung endet eine lange Phase der Zurückhaltung derjenigen Klimaschützer, die den Widerstand in Graubünden gegen die Repower-Kohlekraftwerke reanimierten. Retropower.ch ging heute mit der Schliessung der Wahlurnen online. Die Website wird weiter ausgebaut werden, um über das vielfältige Fehlverhalten der Schweizer Strombranche und speziell des Graubündner Energieunternehmens Repower zu berichten.

-> Weiterlesen auf retropower.ch


  • Titelbild: Bündner Anti-Kohle Initiative: endgültig angenommen. Repower-Problem: weiter ungelöst. Retropower.ch ist online.

Repower-Kohlekraftwerk: Ursachen und Hintergründe der Millionenklage

Im April letzten Jahres (2014) verklagte die Bündner Repower vier Gegner ihres geplanten Kohlekraftwerks in Kalabrien auf 4 Millionen Euro Schadenersatz. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Hintergründe der Klage.
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Repower-Kohlekraftwerk: ein Projekt von Zockern

Repower richtet der Geschäftleitung erhebliche variable Vergütungen aus. Das sechsköpfige Gremium kassiert jährlich bis zu fast einer Million Franken an Boni. Gemäss Repower Verwaltungsratspräsident Eduard Rikli sind „qualitative Zielsetzungen“ bei der Festlegung der Bonuszahlungen mitbestimmend. Es muss mit guten Grund davon ausgegangen werden, dass Teile der Geschäftsleitung persönlich profitieren, wenn die Baubewilligung für das von Repower in Saline Joniche geplante Kohlekraftwerk gesprochen wird. Die Aussicht auf persönliche Bereicherungen könnte bei der immer noch mit grossem Engagement, hohen Kosten und erheblichen Risiken vorangetriebenen Projektentwicklung in Saline Joniche eine Rolle spielen. Repower-Kohlekraftwerk: ein Projekt von Zockern weiterlesen

Gericht stoppt Repower-Kohlekraftwerk in Italien

Das Verwaltungsgericht in Rom hat am Freitag, 27. Februar 2015, den Bewilligungsprozess des von Repower in Kalabrien geplanten Kohlekraftwerks zum Stillstand gebracht. Nationale und regionale Umweltorganisationen, die Region Kalabrien und verschiedene Gemeinden haben erfolgreich gegen die Verfügungen eingesprochen, welche die Bewilligung des Kohlekraftwerks unterstützten. Dies könnte nach rund zehn Jahren Planung das Ende des Kraftwerks bedeuten, das die ehemalige Rätia Energie in Saline Joniche, an der Südspitze des italienischen Festlands bauen wollte. Sollte das Bündner Unternehmen sein umstrittenes Bauvorhaben trotz dieses Rückschlags weiterverfolgen, lassen sich daraus interessante Folgerungen ableiten. Gericht stoppt Repower-Kohlekraftwerk in Italien weiterlesen

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